MGTOW „Men Going Their Own Way“

Gastbeitrag von Sofia (Aktion Avantgarde)

In einer Gesellschaft, in der der Umgang mit Frauen immer mehr an Bedeutung gewinnt, die Schule eher auf Mädchen ausgelegt(1) ist und auch später in guten Positionen, Frauen eine immer bessere und oftmals unfaire Chance durch eine Frauenquote bekommen (2), ist ein Gegenwind nicht ausgeschlossen. Immer mehr Männer haben heute ein Problem mit ihrer Männlichkeit, welches nicht ausschließlich auf die alleinerziehende Mutter (3) zurückzuführen ist. Zusätzlich gibt es noch immer „Female Privilege“, welche beispielsweise beinhalten, dass Frauen eher mit milderen Strafen im Strafrecht rechnen können. Frauen punkten auch noch immer mit ihrem äußeren Erscheinungsbild und wählen eher ihren Partner aus, als umgekehrt. Da Männer meist in „Blue Collar“ Berufen (Industrie, Baubranche etc.) tätig sind und es immer mehr Frauen mit Uni-Abschluss gibt, wird der Pool der Gutverdiener und der der „gebildeten Männer“ geringer. Auch dies führt zu Spannungen auf dem Dating-Markt. (4)

MGTOW oder auch „Men Going Their Own Way“, ist eine Bewegung oder auch ein Raum, in dem Männer sich dafür entschieden haben, ihren Weg ohne Frauen zu gehen. Diese Gruppe der männlichen Selbstbestimmung reicht schon bis zur Jahrtausendwende zurück und kam zum ersten Mal in Japan mit der Bezeichnung „Soshoku Danshi“ auf und erinnert heute durch ihre Rhetorik, stark an die Männerrechtsbewegung von 2013. Anstatt sich dem gesellschaftlichen Wandel zu fügen, der sich Frauen immer mehr anpasst, distanzieren sich die betroffenen Männer und bleiben lieber untereinander, über das digitale Netzwerk verbunden. WikiMANNia lädt beispielsweise in unzählige Diskussionsrunden ein und stellt informative PDFs unter anderem von Autoren, die einen zweifelhaften Ruf genießen, zur Verfügung. Natürlich nur von und für Männer. Auch auf YouTube folgen tausende Anhänger den Männerpredigern. Auf Reddit (Social-News-Aggregator) werden unzählige Videos, Chats usw. in denen sich Frauen falsch oder gar schlecht verhalten, geteilt. Das Internet wird hierbei als Zufluchtsort genutzt. Hier gibt es den Austausch ganz unter sich, der früher nur im Herrenzimmer möglich war. Doch wie kam es zu dieser Bewegung, die solch einen wütenden und radikalen Schritt unternimmt? Sich für ein Leben ohne eine Partnerschaft, ohne Zweisamkeit, ohne Familie entscheiden? Sie wenden sich komplett von Frauen ab. Ist dies gerechtfertigt?

Schauen wir uns diesen Raum oder auch die Bewegung genauer an, können wir viel Wut, Trauer und auch Angst darin erkennen. Durch die vielleicht zu schnelle feministische Entwicklung, die viele Veränderungen mit sich brachte, ist das konservative Bild von Frau und Mann, in dem der Mann der Versorger ist, so nicht mehr der Normalfall. Durch die stark veränderten gesellschaftlichen Strukturen, die bei den MGTOW-Männern als eine deutliche Überlegenheit der Frau angesehen wird, wächst die Verunsicherung. Die Sorge, dass die staatlichen Strukturen nur noch auf die Frauen zugeschnitten werden, wird gerade durch die Geschwindigkeit ihrer Entwicklung der politischen Lage, massiv hoch.

Die Gegenseite zur Feminismus-Bewegung bleibt zwar als solches unter sich, aber die allgemeine Wut unter den Männern in der Bevölkerung wächst. So wird es auch immer leichter, schnell in diese frauenhassende Bubble zu rutschen und sich der wahren Problematik nicht zu stellen. Meist ist es doch eine persönliche Geschichte, wie ein Sorgerechtsstreit oder eine zerbrochene Beziehung, die oft viel Enttäuschung, Frust und Wut mit sich bringt und zu dieser Entscheidung führte, auch wenn Betroffene sich dies ungern eingestehen.

Durch Bücher wie „Ich hasse Männer“ von Pauline Harmonie, welches alleine schon durch den Titel provoziert, wird der Versuch einer Kommunikation zwischen den Geschlechtern erschwert und schürt eher weiteren Hass und Fehlinformationen werden zusätzlich gefestigt. Denn auch wie MGTOW, entstand die heutige feministische Bewegung durch die Wut der Ungleichbehandlung. Die Welt ist im Wandel und sie streitet gerade darüber, ob es denn wirklich eine, wie schon oben genannte Ungerechtigkeit zwischen den Geschlechtern gibt und wenn ja, woher diese kommt. Was jedoch klar ist, ist, dass wir weniger urteilen und stattdessen mehr miteinander sprechen sollten. Ist der Wille für ein gegenseitiges Verständnis da, ist auch der Wille für ein veränderbares System da. Auch wenn es finanzielle Gleichheit gibt oder geben wird, eine Frau muss sich immer für Familie oder Karriere entscheiden und diese Entscheidung sollte immer gestützt werden. Wird sich dies nicht ändern, wird der Teufelskreis des Hasses und der Missverständnisse unter Männern und Frauen bleiben oder gar verschlimmert werden.

 

Quellen:

https://at.wikimannia.org/Leszek
https://at.wikimannia.org/Men_Going_Their_Own_Way
https://de.wikipedia.org/wiki/Sōshoku_Danshi
https://www.swr.de/swr2/literatur/mund-halten-und-zuhoeren-pauline-harmange-ich-hasse-maenner-100.html
https://www.focus.de/familie/lernen/lernstoerungen/lehrerin-berichtet-wie-die-schule-jungen-das-leben-schwer-macht_id_9495586.html  (1)
https://www.welt.de/debatte/kommentare/article13411910/Frauenquote-ist-jungen-Maennern-gegenueber-ungerecht.html  (2)
https://www.vaterfreuden.de/vaterschaft/erziehungsfragen/wenn-der-vater-fehlt-–-wie-jungen-sich-entwickeln  (3)
https://www.google.com/amp/s/amp.theguardian.com/lifeandstyle/2015/nov/10/dating-gap-hook-up-culture-female-graduates  (4)

27. Februar 2021 Gastbeiträge, Gesellschaftskritik