Reductio ad Hitlerum

In Bezug auf das viel besprochene Höcke-Interview bei {ungeskriptet} und den anschließenden fragwürdigen Reaktionen der moralischen Instanzen, erscheint folgendes Zitat aus dem Buch „Kriegspropaganda und Medienmanipulation“ von Christian Hardinghaus recht zutreffend: „Fast scheint es, ein von Schuldgefühlen heimgesuchtes deutsches Volk suche immer wieder nach Schurken, die es mit seinem schlimmsten Albtraum, Adolf Hitler, aufnehmen könnten, um durch die Bekämpfung dieser vermeintlichen Ebenbilder Wiedergutmachung leisten und der ganzen Welt zeigen zu können, dass man nun anständig geworden ist“. Wen hat man nicht schon alles zum Nachfolger Hitlers stilisiert: Hussein, Assad, Putin etc.
Der ewige Kampf gegen die Dämonen der Vergangenheit darf nicht enden. Deswegen darf ein Björn Höcke auch nicht von der Bildfläche verschwinden. Man möchte es nur nicht zugeben.

Eine Bühne, aber für wen?

Der Vorwurf, man dürfe Björn Höcke keine Bühne bieten, wirkt im Jahr 2026, in einer Welt mit Social Media, nicht sehr zeitgemäß. Welche Partei bedient denn jegliche Kanäle auf beeindruckende Art und versteht es sich gut in Szene zu setzen? Die AfD. Wer heutzutage eine Bühne benötigt, findet diese online. Und was wäre die beste Bühne wert, wenn es nicht den entsprechenden Inhalt für die Show gäbe? Wenn man also wirklich daran interessiert ist, der AfD und Höcke die Möglichkeit der Präsentation zu entziehen, dann macht man das nicht in der digitalen, sondern in der echten Welt, mit guter und ehrlicher Politik. So einfach könnte es sein. Warum stürzen sich also alle Moralapostel auf Höcke, statt endlich einen berechtigten Vorwurf an die führende Regierung zu adressieren? Die miserable Politik der letzten Jahre war und ist der Nährboden für den Erfolg der AfD.
Noch ein Gedankengang weiter: Macht es nicht viel mehr Sinn, den Parteien der politischen Mitte zu unterstellen, selbst genau die Bühne zu nutzen, die durch die eigene Unfähigkeit erst erzeugt wurde? Eine dankbar angenommene Bühne also, auf der man leistungslos mit der eigenen moralischen Binsenhaltung Applaus erhascht. Das selbe Ergebnis mit guter Politik zu erzielen, scheint offensichtlich keine Alternative zu sein. Mehr Gedanken in diese Richtung sind in meinem Beitrag „Warum die politische Mitte kein Interesse am Untergang der AfD hat“ nachzulesen.

Demokratie mit wenig Substanz

Was sagt es über den Zustand unserer Demokratie aus, wenn der wiederholte Versuch unternommen wird, mit undemokratischen Mitteln die Demokratie zu retten? Wer per se kritisiert, dass Benjamin Berndt, der Host von {ungeskriptet}, ein öffentliches Gespräch mit Björn Höcke führt, fordert in der Endkonsequenz eine Einschränkung der Meinungsfreiheit, wenn nicht sogar ein generelles Redeverbot. Was sagt es über den Zustand unserer Demokratie aus, wenn nach einem vierstündigen Podcast, der nichts Justiziables beinhaltet, hysterisch nach Einordnung gerufen wird? Man sollte meinen, in einer funktionierenden Demokratie sind die Bürger mit der Fähigkeit ausgestattet, sich eine eigene Meinung zu bilden. Ist das nicht der Fall, sollte man die Überlegung anstellen, Wahlen zu verbieten. Oder ist fehlende politische Bildung irrelevant, wenn das Kreuz bei CDU, SPD oder den Grünen gesetzt wird? Wenn der mündige Bürger beim Denken und Einordnen an die Hand genommen werden muss, dann ist die AfD unser kleinstes Problem.

Die falsche Kritik

Was bei all dem Trubel um das Höcke-Interview auf der Strecke blieb, ist die sachliche Kritik. Auch ich hätte mir mehr kritische Fragen des Hosts gewünscht, bot Höcke doch mehrfach die Gelegenheit reinzugrätschen, dank fragwürdiger Aussagen. Wer das Format {ungeskriptet} länger verfolgt, weiß jedoch, dass sich das Gespräch mit Höcke nahtlos in die zahlreichen Vorgängerepisoden einreiht und die gewohnte Gesprächskultur des Podcasts abbildet. Kann man es auch anders oder gar besser machen? Das liegt im Auge des Betrachters, aber ist durchaus möglich. Wer von den großen Medienkonzernen möchte es als erstes unter Beweis stellen?
Es gibt einen großen Unterschied zwischen Kritik und Widerspruch auf Sachebene und der pauschalen Forderung eines Redeverbotes. Auch hier geht der Mainstream, wie gewohnt, lieber den undemokratischen Weg.

Die alte erfolglose Strategie

Es gibt wenig Anzeichen, die darauf hindeuten, dass die Gegner von Höcke & Co. eigene Fehler im Umgang mit der Thematik zu analysieren und zu korrigieren in der Lage sind. Wir sehen ein bekanntes Bild: Der Gegner wird dämonisiert, um eine gewisse Fallhöhe zu erzeugen, wodurch die eigene Haltung noch heroischer zu wirken scheint. Mit dieser, nennen wir es wohlwollend Strategie, sammelt man Punkte bei genau der Wählerschaft, die man sowieso schon auf der eigenen Seite hat. Die Wählerschaft, die man hingegen schon vor langer Zeit verloren hat, die es eigentlich zurückzugewinnen gilt, drängt man immer weiter von sich weg.
Tatsächlich bot Höcke im Gespräch so manchen Angriffspunkt, die sachliche Auseinandersetzung fehlt jedoch bis heute. Die politische Elite hat wieder das Kunststück vollbracht und aus diversen Steilvorlagen doch wieder nur ein Eigentor gemacht – siehe Saskia Esken. Die konkrete Vision, wie man die AfD besiegen möchte, fehlt weiterhin, wie man erneut sehen konnte.

11. Mai 2026 Innenpolitik