Warum die politische Mitte kein Interesse am Untergang der AfD hat

Für den einen oder anderen mag der Titel des Beitrages Verwirrung auslösen. Tatsächlich lässt jedoch die Analyse des Umgangs mit der AfD kaum eine andere Schlussfolgerung zu. In diesem Beitrag spielt meine persönliche Bewertung der AfD keine Rolle. Es geht nicht darum sie als Nazipartei oder als Heilsbringer zu klassifizieren. Es geht ausschließlich um die Tatsache, dass die Partei existiert und ihren dankbaren Nutzen hat.

Cui Bono

Wie ist es zu erklären, dass eine Partei, die für viele als potenzielle Nachfolgerin der NSDAP gilt, immer noch nicht verboten wurde? Die große Wählerschaft der AfD wird kaum der Grund sein. Die Leitmedien warnen im Chor mit den Parteien der politischen Mitte, vor den dramatischen demokratiegefährdenden Konsequenzen, die eine AfD in der Regierung mit sich bringen würde – in einer Klarheit, die augenscheinlich keinen Zweifel lässt.
Mag der Wille eine Partei zu verbieten, vor der man die ernsthafte Befürchtung hat, ihr Erfolg holt alte Zeiten wieder zurück, absolut verständlich sein. Immerhin betitelte 2024 der heutige Vizekanzler Klingbeil die AfD-Fraktionsvorsitzende Weidel und ihre gesamte Partei als Nazis und auch sonst mangelt es seitens des Mainstreams nicht an Vergleichen zum Dritten Reich. Umso verwunderlicher ist dann die Tatsache, dass bis auf markige Sprüche in der Qualität des Vizekanzlers, bisher nichts konkret unternommen wurde, um ein Verbotsverfahren in die Wege zu leiten. Scheinbar ist dann doch nicht alles so eindeutig, wie man es gern darstellt. Ein Verbot zu fordern, mit dem Wissen, dass die juristischen Hürden so hoch sind, dass der Antrag womöglich ins Leere laufen wird, sollte als Populismus eingeordnet werden. Wer möchte ernsthaft glauben, dass die politische Elite wirklich so naiv ist?
Am Ende bleibt die Frage bestehen: Wenn die Gefahr so groß ist und wir kurz davor stehen eine neue Nazizeit zu erleben, warum bleibt es seitens der Politik lediglich bei der täglichen Phrasendrescherei?

Ein dankbarer Gegner, den es zu behalten gilt

Die reine Existenz der AfD und das, was man von außen aus ihr macht, muss, aus Sicht des Mainstreams, erhalten bleiben. Selbstverständlich würden das die jeweiligen Parteien und Medienplattformen abstreiten. Aus Sicht der konkurrierenden Parteien besteht natürlich kein Interesse daran, dass, so wie aktuell, die Wählerstimmen in immer größer werdender Anzahl gen rechts wandern – sieht man damit zurecht die eigene Legitimation bedroht. Ein kompletter Verlust dieses Gegners – an dem man sich dankbar abarbeiten kann, ohne wirklich gute Politik machen zu müssen – ist auch nicht im Sinne derer, die darauf angewiesen sind, regelmäßig einfache Punktgewinne bei der eigenen Wählerschaft zu erzielen. Es gibt also ein vitales Interesse, dass sich die Relevanz der AfD in einer gesunden Mitte befindet – keine 40 %, aber auch kein Verbot. Um meine Einschätzung zu untermauern, möchte ich anhand der folgenden Beispiele illustrieren, wie die AfD missbraucht wird, um sich selbst in ein gutes Licht zu rücken und moralisch zu erhöhen.

Unionsfraktionschef Jens Spahn sprach sich jüngst gegen eine Zusammenarbeit mit der „Putin-Partei“ AfD aus und versuchte mit dieser sachlich falschen Bezeichnung auf zwei Ebenen zu verdeutlichen, auf der richtigen Seite zu stehen. Niemand würde bei der CDU oder der SPD von einer „USA-Partei“ sprechen, obwohl sich nachweislich einige Transatlantiker in beiden Parteien befinden. Hier möchte man die Dämonisierung auf ein höheres Level bringen, um selbst noch besser dazustehen.

Bundespräsident Steinmeier legte in seiner Rede am 9. November 2025 seine Neutralität ab und rief zum Widerstand gegen die AfD auf, ohne sie namentlich zu nennen. Er äußerte sich wohlwollend zu einem möglichen Parteiverbot und punktete damit bei seinesgleichen.

In der Lanz-Sendung vom 04. Dezember 2025 erzählte Grünen-Co-Chef Felix Banaszak mit stolzgeschwellter Brust, er gebe keinem von der AfD die Hand. In seiner Bubble holt er mit so einer Aktion natürlich Pluspunkte und kann sich als meinungsstark inszenieren. Dass Herr Banaszak undifferenziert alle, ich betone bewusst, alle Menschen der AfD in einen Topf schmeißt, dient lediglich der eigenen Heroisierung. Ein einzelner starker Mann stellt sich gegen alle AfD´ler – mit Verweigerung eines Handschlags…

Es gäbe noch unzählige weitere Beispiele, um den missbräuchlichen Gratismut der politischen Elite zu veranschaulichen. Fürs Erste sollte das aber ausreichend sein.
Durch die Existenz der AfD ist es vollkommen egal geworden, wie unfähig einzelne Politiker oder ganze Parteien sind. Der Status, dass man der Gute ist, also gegen die AfD, reicht als Qualitätsnachweis aus, um Stimmen zu generieren. So einfach geht Politik.
Wie soll sich die CDU von der SPD großartig abgrenzen? Oder die SPD von den Grünen? Oder die Grünen von der FDP? Gibt es Unterschiede? Sicherlich! Aber im Großen und Ganzen spielt man das gleiche Spiel. Mit der AfD  hat jede einzelne dieser Parteien eine Möglichkeit sich abzugrenzen und zu punkten, indem man sich moralisch auf der gute Seite einordnet. Mehr muss man nicht tun. Warum soll man also dieses Tool leichtfertig aus der Hand geben?

https://www.spiegel.de/politik/deutschland/europawahl-lars-klingbeil-nennt-afd-nazis-alice-weidel-gibt-sich-empoert-a-856b5131-27f7-463f-927e-8b86f0897187
https://www.tagesspiegel.de/politik/jens-spahn-im-gesprach-kronchen-richten-weitermachen-14820476.html
https://www.tagesschau.de/inland/gesellschaft/steinmeier-demokratie-bedrohung-100.html
https://www.zdf.de/video/talk/markus-lanz-114/markus-lanz-vom-4-dezember-2025-100

2. Januar 2026 Allgemein