Mit Lügen in den Krieg – der Iran als nächstes Opfer
Die Geschehnisse im Iran erscheinen für viele Beobachter wie ein Déjà-vu. Die sich ständig wiederholenden Mechanismen sind offensichtlich, dennoch kennt die Naivität der Unterstützer des Krieges vermeintlich keine natürlichen Grenzen. Eine große Frage steht im Raum: Warum genießen Israel und die USA so ein großes Vertrauen, was die Glaubwürdigkeit betrifft? Das Israel, welches mehrfach Völkerrecht gebrochen und Gaza dem Erdboden gleichgemacht hat. Die USA, unter der Führung Trumps, die erst kürzlich unter fadenscheinigen Gründen das venezolanische Staatsoberhaupt entführte. Auf weitere Verbrechen, explizit im Nahen Osten, kommen wir gleich zu sprechen. Trotz der Vergangenheit mit blutigen Lügen, schluckt nach wie vor ein großer Teil der Menschen unhinterfragt jede Begründung für Kriege.
Zur Klarstellung: Ist das Mullah-Regime brutal und sollte besser gestern als heute sein Ende finden? JA!
Die Fortsetzung der Geschichte
Um nur den Hauch einer Idee zu erlangen, dass man vielleicht erneut hinters Licht geführt wird, muss man kein Historiker sein und Jahrhunderte der Menschheitsgeschichte studiert haben. Tatsächlich reicht ein Blick auf die letzten 25 Jahre.
Als Folge der Terroranschläge auf das World Trade Center, begann 2001 ein knapp 20-jähriger Krieg, allen voran der USA gegen Afghanistan, mit dem offiziellen Ziel des Sturzes der Taliban. 2021 schließlich dann der plötzliche Abzug der NATO-Truppen und was ist das Ergebnis der ganzen Jahre? Afghanistan ist ein gescheiterter Staat, ohne erkennbare Perspektive, geführt von den Taliban. Der begonnene „Krieg gegen den Terror“ wurde im Irak fortgeführt, aufgrund der Behauptung der USA, der Irak besitze Massenvernichtungswaffen – was sich wenig später als Lüge herausstellte. 2003 marschierten die USA mit dem Ziel ein, Saddam Hussein zu stürzen – was auch gelang. Übrig blieb ein zerbrochener Staat. Ein wichtiger Aspekt in diesem Zusammenhang ist nicht zu vergessen: Die US-Invasion legte den Grundstein für die Gründung des IS. 2011 folgte der Sturz des libyschen Machthabers Muammar al-Gaddafi und auch hier war das Ergebnis nahezu deckungsgleich den vorangegangenen Kriegen. 2014 begann der Versuch den syrischen Präsidenten Baschar al-Assad seines Amtes zu entledigen – jedoch mit mäßigem Erfolg. Erst im Jahr 2024 floh Assad. Sein Nachfolger war bis kurz vor Amtsantritt ein gesuchter Terrorist, auf den die USA einst ein Kopfgeld von 10 Millionen Dollar aussetzten. Mittlerweile ist er ein gefeierter Mann – Ahmed al-Scharaa.₁ Wir sehen, dass der Westen, federführend die USA, verantwortlich für viel Unheil im Nahen Osten ist. Immer wieder gab man vor, für Freiheit und Demokratie einzutreten, man wolle die Bevölkerung vor missliebigen Despoten schützen. Was man stattdessen erzeugte, waren Instabilität und unzählige Tote. Ohne Frage waren alle genannten Diktatoren schreckliche Verbrecher. Mit deren Beseitigung hat man der Bevölkerung im Kern aber keinen Gefallen getan, denn was folgte, hatte kaum etwas mit einer Verbesserung zu tun. Warum sollte es im Iran also anders laufen?
Massenvernichtungswaffen wie im Irak?
Wenn wir uns also daran erinnern, dass der Irakkrieg 2003 auf einer großen Lüge – hinsichtlich Massenvernichtungswaffen – basierte, wie glaubwürdig ist dann der aktuelle Vorwurf, der Iran stünde kurz vor der Atombombe? Ein Vorwurf, den der israelische Ministerpräsident Netanjahu seit 1992 in gewohnter Regelmäßigkeit äußert.₂ Vor wenigen Tagen erklärte Rafael Grossi, Chef der internationalen Atomwaffenbehörde (IAEA), es gebe keine Hinweise auf ein strukturiertes iranisches Waffenprogramm.₃ Logisch, sprach doch Trump persönlich nach dem Zwölftagekrieg im letzten Jahr davon, dass die Atomanlagen zerstört wurden. Wann hat Trump in diesem Zusammenhang also die Unwahrheit gesprochen, nach dem Zwölftagekrieg oder vor dem jetzigen Angriff? Ist es vorstellbar, dass der Iran heimlich an der Atombombe arbeitet? Absolut! Haben sowohl Israel, als auch die USA, in der Vergangenheit genug Gründe geboten, weshalb man ihnen nicht blind trauen sollte? Definitiv!
Deutschland als Teil des Problems
Ähnlich dem Ukrainekrieg, ist Deutschland auch im Irankrieg ein aktiver Player, der klar Position bezieht, gleichzeitig jedoch nicht müde wird zu behaupten, er sei kein Kriegsteilnehmer. Als ob die anbiedernde Zustimmung von Merz in Richtung Trump nicht schon ausreichend unangenehm wäre, unterstützt Deutschland eben nicht nur mit Worten die Völkerrechtsverbrechen der engen Freunde, sondern auch mit Taten. Alle in diesem Beitrag angesprochenen Kriege wären nicht möglich ohne den größten US-Luftwaffenstützpunkt Europas – im pfälzischen Ramstein.₄ Von hier werden u. a. Drohnenangriffe koordiniert. Sind wir also wirklich keine Kriegspartei im Iran? Darauf kann nun jeder für sich selbst eine Antwort finden. Die deutsche Rolle in allen nahöstlichen Kriegen ist also unbedingt zu hinterfragen.
Interessen auf jeder Seite
Den letzten Abschnitt möchte ich mit einem Zitat von Daniela Dahn, aus ihrem Buch „Der Schlaf der Vernunft“ beginnen: „Doch keine einzige humanitäre Intervention hat Humanismus gebracht“. Zu dieser korrekten Feststellung dürfte es keine Einwände geben. Wie eben beschrieben, haben wir aus der Vergangenheit viele Beispiele, an denen wir erkennen können, wie diese Kriege in der Regel enden und mit wie viel Täuschung sie begannen. Nicht zufällig sprechen wir hier immer von ressourcenreichen und geostrategisch wichtigen Regionen. In der Quintessenz dieses Beitrages geht es nicht darum, das brutale Mullah-Regime in Schutz zu nehmen oder sich auf irgendeine Seite zu stellen. Vielmehr geht es darum, das eigentlich Offensichtliche zu benennen. Wieder herrscht Krieg aufgrund von imperialen Interessen, unter dem Deckmantel des Humanismus. Wieder werden diese Lügen geglaubt. Wieder sterben unschuldige Menschen.
₁ https://www.tagesschau.de/ausland/asien/syrien-jahrestag-al-scharaa-100.html
₂ https://www.juancole.com/2012/03/netanyahu-1992-iran-will-have-the-bomb-by-1997.html
₃ https://www.dw.com/de/iaea-chef-grossi-sieht-keine-anzeichen-f%C3%BCr-atomwaffen-programm-im-iran/a-76183779
₄ https://www.faz.net/aktuell/politik/ausland/irankrieg-welche-stuetzpunkte-in-deutschland-das-us-militaer-nutzt-110847734.html
8. März 2026
Außenpolitik (internat. Politik)